Werkstatt.Raumslam

Trier den 06.12.2019 – In der Tufa

Eigentlich hatte ich nach der kurzen Novembertour vor eine ein bis zweimonatige Pause zu machen. Aber ich wurde gefragt ob ich Lust hätte so eine Art Poetry-Slam zu machen und da sag ich einfach nicht nein.

Da ich aber versuchen wollte meine: „Immer mind. 1 neuer Text Politik“, wieder aufleben zu lassen, versuchte ich Krampfhaft kurzfristig etwas auf die Reihe zu bekommen, aber bekam es nicht. Bis am 4. Dezember dann ein kleiner frecher Tweet zur Inspiration diente, einen Text über die Unterdrückung von Steinen zu schreiben.

https://twitter.com/alva65_/status/1202141692184399872?ref_src=twsrc%5Etfw

Die Idee war sogar recht naheliegend, da ich schon einmal damit begonnen hatte einen Text für eine Dokumentation über Steine zu schreiben. Dadurch kamen mir einige Ideen davon gelegen, sie in einer zornigen Aufforderung zur Gleichberechtigung endlich mal zu verwenden.

So hatte ich also zwei Tage vor dem Auftritt noch einen Text zusammengeschustert und freute mich bereits auf das in der Beschreibung stehende „so eine Art“ – der Veranstaltung.

Es stellte sich heraus, dass noch ein Pianist, ein Scienceslammer und zwei weitere Poetryslammer geladen waren und jeder 15 Minuten Zeit zum performen hatte…

Ja gut, mein Text dauerte ungefähr 5 Minuten und ich hatte einen zweiten alten vorbereitet, der auch so um die 5 Minuten ging. Also machte ich kurzerhand ran und packte meine Geheimwaffe aus. Tweets.

Ich bat das Publikum, welches weit mehr als zehn Leute umfasste, zu erraten welche Popsongs sich hinter der von mir vorgetragenen Lyrik verbargen. Denn bei Twitter führe ich einen Hashtag #lyricgegenrechts bei dem ich einzelne Teile von Popsongs absichtlich Fehlerhaft übersetze um eine antifaschistische Message heraus zu ziehen.

Kam nicht so gut an, keiner Verstand die Gags so richtig und niemand erkannte die entsprechenden Songs. Außerdem war ich sehr unsicher beim Vortragen und vergaß sogar den Namen des zweiten Songs, sodass die Auflösung sehr peinlich(weil nicht möglich) war. Schade.

Der neue Text kam anschließend aber großartig an und der zweite, ältere so Mittel.

Die Location war inmitten von Bildern einer Ausstellung, was schon ein ganz besonderes Ambiente war.

Steine

Aus aktuellem Anlass muss ich noch einmal Partei ergreifen, für die schwächsten in unserer Gesellschaft.
Sie werden unterdrückt, missbraucht, geschubst, herumgeworfen.
Sie werden angegriffen, getreten, bespuckt.
Sie werden angefeindet, missachtet und sogar in Käfige gesperrt.
Dass sie wortwörtlich eine tragende Rolle in unserer Gesellschaft spielen scheint vielen nicht bewusst und so sah ich mich am Mittwoch einmal mehr dazu genötigt, Wort zu ergreifen für diese braven Mitbürger und Mitbürgerinnen. Ich rede natürlich von Steinen und es folgt ein Pamphlet.

„Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“, behauptete der Führende Verschwörungstheoretiker Deutschlands, Xaviar Naidoo 2005 unverholen und sorgt dadurch bereits für extremistisches Gedankengut in der Gesellschaft.
Steine sind gut.
Steine sind sogar besser!
Sie sind das Beste was der Menschheit je passiert ist. Sie sind sogar so wichtig, dass das erste für die menschliche Zivilisation relevante Zeitalter nach ihnen benannt worden ist.
Trotzdem, ja trotzdem werden sie seit jeher ausgebeutet und ihr Talent wird verkannt. Nicht selten werden sie gebrochen und in eine der „Gesellschaft ansprechenden Form“ gebracht. Dann werden Sie als Höhlenersatz in Wänden verbaut, bis sie irgendwann ermüden. Oder vom Pilz befallen werden.

Das decken die Krankenkassen nicht einmal ab! Nein, sie lassen Steine nicht mal als Kunden zu, weil sie kein Einkommen hätten.
Aber ist das nicht nur so, weil wir ihre Hilfsbereitschaft ausnutzen? Weil wir sie versklaven? Jeden Tag werde abertausende Steine zu Sand verstümmelt oder zu Schotter.
Massenhaft werden sie in dunklen Containern verfrachtet und als Bodenbelag endgelagert. Da ist kein Fitzel Mitleid in den Augen der Straßenarbeiter.
„Sind halt nur Steine.“, sagte mir mal einer den ich auf die Grausamkeiten aufmerksam gemacht habe.
„Sind halt nur Steine.“, äffte ich ihn nach, als ich die Geschichte meinem besten Freund erzählte. Er tröstete mich als ich einen Nervenzusammenbruch deswegen durchlebte.
Generell werden Steine auch durch Sprichworte in Rollen gezwängt oder sogar diskriminert.

„Herz aus Stein“ – eine negative Eigenschaft, dass man nichts fühlen würde.
„Hart wie Stein“ – wenn jemand unerschütterlich ist.
„Steinreich“ – wenn jemand sehr reich ist.
„steiniger Weg“ – wenn etwas schwer zugänglich ist.
Das sind nur einige Beispiele. Und sie haben alle die Verallgemeinerung gemeinsam. Es gibt auch bei Steinen welche die einen weichen Kern haben oder sich generell in eine harte Personalität reingezwungen fühlen.
Wir müssen Ihnen die Möglichkeit geben, sich frei zu entfalten, jeder Stein ist einzigartig in Form, Zusammensetzung und Charakter!
Stichwort Gabionen – Massensteinhaltung nenn ich das! Wie barbarisch können wir eigentlich sein? Reicht es uns nicht, dass wir die trägen Wesen ohne ihrer Zustimmung stapeln und zusammenspachteln? Nein, jetzt müssen wir ihnen auch noch Käfige umlegen. Damit sie ja niemals so etwas wie Freiheit empfinden können. Die ultimative Demütigung.
Ich hoffe ihr schämt euch alle.

Jeder von uns, selbst ich, wir tun einfach nicht genug für die Rechte der Steine. Wir sehen anteilnahmslos zu, wenn sie zertrümmert und missbraucht werden. Wir verachten sie dafür, dass sie sich in unsere Schuhe verirren wenn wir wandern oder wenn sie durch Frost glatt werden und wir darauf ausrutschen.
Wenn sie unsere Windschutzscheiben zerschlagen. Oder zu locker auf Wegen sind, dass sie unter den Füßen unkontrolliert nachgeben.
Aber dass wir es sind, die ihnen den Lebensraum nehmen.
Aber dass wir es sind die Steinfamilien voneinander trennen und nicht einmal eine Altersvorsorge für sie mit einplanen, das sehen wir nicht.
Ohne Steine gäbe es viele für Menschen relevante Dinge nicht.
Häuser, Wege, Mauern, Brücken
Es gibt nur wenige, die die Relevanz der Steine verstanden haben, es gibt im Steinrecht aktivistische Bands die sich nach Ihnen benennen, Rolling Stones, Queens of the Stoneage um nur einige zu nennen. ..
Nein sie haben sogar ein ganzes Genre nach ihnen benannt. Rock.

Eine Aufforderung zur Awareness.
Achtet auf eure Steine!
Sie werden euch Schützen und euch niemals hintergehen. Zumindest nicht aus Eigeninteresse, denkt da mal drüber nach!
Zeigt Ihnen eure Liebe.
Streichelt oder küsst sie gar, sagt ihnen wie sehr ihr sie braucht, behandelt sie so wie ihr behandelt werden wollt, denkt DA mal drüber nach!
Verteidigt eure Steine!
Leute versuchen sie zu missbrauchen, zu stehlen, sie übers Wasser zuflitschen, es liegt in eurer Macht sie zu schützen, DENKT DA MAL drüber nach!
Ich möchte, dass ihr einfach seht, dass die Relevanz der Steine niemals verfliegen wird und sie ein Mindestmaß an Respekt verdient haben, für das was sie leisten und was ihre Vorfahren geleistet haben.
Und vergesst nicht, der klügste Kopf des letzten Jahrhunderts war selbst Einstein.

Genau die richtige Menge (54)

Da stand sie, ein Bild so offensichtlich perfekt, dass sein Kiefermuskel seinen Dienst verweigerte und sein Speichel die Chance ergriff um in Fäden aus der Mundhöhle zu fließen. Es entstand ein Fluss der unaufhaltsam auf dem Polyester/Baumwoll Gemisch des Pullovers in Richtung Boden wanderte. Der Polyesteranteil war viel zu groß um ein einziehen der Flüssigkeit in den Pulli zu ermöglichen.
Vor ihm stand ohne jeden Zweifel seine Traumfrau. Um auf Nummer sicher zu gehen musterte er sie genau und zählte mit stummer Lippenbewegung ihre Arme: „Eins, zwei“ sagte seine Stimme in seinem Kopf und seine Lippen taten das gleiche. Trotzdem blieben die Stimmbänder ruhig.
„Das ist genau die richtige Menge an Armen!“, brüllte er vor Erleichterung. Diesmal blieb seine Kopfstimme stumm. Er hatte nichts gegen Leute mit mehr oder weniger Armen, aber irgendwie passte das nicht in sein Schönheitsideal. Ehrlich, er war da kein Gliedmasist oder wie das heißt, er hatte viele Freunde die ein oder drei Arme hatten. Und mit denen kam er ja auch zurecht. Aber schlafen würde er nicht mit ihnen.

Auch ansonsten schien die Frau auf ihn eine Projektion seines Idealbildes eines Partners, die richtige Menge Augen, die richtige Menge Nasen die richtige Menge Wangen.
Selten war er so übermannt von der bloßen Sichtung einer Person wie diesmal. Auch der Punkt war in seinen Augen auf ihn zugeschnitten. Sie schien genau die richtige Menge an Personen zu sein.
Etwas eingeschüchtert ob der ihm offenbarten perfekten Frau trat er vorsichtig an sie heran.
Der Bass droppte und ihr Kopf fiel mit dem Bass nur um schließlich mit dem Wieder-Einsätzen des Beates abzuspringen und mit geschlossenen Augen sich dem Song hinzugeben.
„Eins, zwei, drei, vier…“, zählte er während er sich ihr näherte. „Genau die richtige Menge an Sprüngen!“, freute er sich, als er das scheinbar perfekte Taktgefühl in ihren Hopsern mitzählen konnte.
Er näherte sich ihr weiter und fühlte sich etwas unwohl. Er kannte sie ja gar nicht, wie sollte er sie also ansprechen ohne creepy zu wirken?

Es war ja schon Clichee genug sich jemanden auf der Tanzfläche anzunähern. Sollte er auf einen dummen Spruch setzen? Die kamen mittlerweile gut an, weil sie ironisch aufgenommen wurden. In seinen Kopf versuchte er es ihr gleich zu tun und genau die richtige Menge an Wörtern sowie genau die richtige Menge an Ironie und Interesse in einen Satz zu formulieren.
Er hatte ja bloß einen Versuch. Aber das war ja genau die richtige Menge an Versuchen.
Er erreichte Sie und begann gegen den Techno an zu stammeln: „Hi,… ich.. äh… wollte nur fragen,…äh keine Ahnung, wie geht’s?“,
sofort ärgerte er sich über seine Uneloquenz, hatte er nicht gerade noch davon gedacht die richtige Menge an Aussage in die ersten Worte zu packen.
„Mmmh?“, reagierte sie trotzdem mit keiner mitschwingenden Abneigung in ihrer Stimme.
„Ob,… äh, wie es dir geht?“, fragte er wieder, kaum besser formuliert als beim ersten mal. Aber er bemerkte wie er Übung bekam.
„Oh ganz gut und selbst?“, fragte sie unbekümmert während ihr Kopf im Takt von Links nach Rechts und wieder zurück wanderte.

„Ja auch… Äh ich wollte dir nur sagen, dass du genau die richtige Menge an Armen hast.“, erklärte er sich und schlug sich im Kopf die Flache Hand gegen eben diesen. Zwar schien er das stottern im Griff zu haben, aber irgendwie waren die Sätze qualitativ trotzdem nicht besser.
„Danke, glaube ich.“, antwortete sie lächelnd: „Ich glaube so bin ich noch nie angesprochen worden.“
Sie war offensichtlich zufrieden mit seinen gewählten Worten, es war wohl genau die richtige Menge an Weirdness darin zu finden. Nur so konnte er sich ihre Reaktion erklären.
„Ich finde auch die Menge an Wangenknochen perfekt.“, ergänzte er übermütig, um an den Erfolg des ersten Satzes anzuknüpfen.
„Und Nasen, die perfekte Menge. Und auch deine Augen, deine Haare…“, mit jeder perfekten Menge die er nannte verschwand das Lächeln der angesprochenen.
„Genau die richtige Menge Brüste.“, ergänzte er gerade, während er näher an sie herantrat.

Er hob die Arme um die Stelle ihrer Brüste anzudeuten als die Freude über den komischen Kauz zu Ablehnung Umschwang. Offensichtlich zu Abneigung, Ablehnung oder Hass. Es war genau die richtige Menge Weirdness um eine Panikreaktion bei seines Gegenüber auszulösen.
Das Pfefferspray in seinen Augen, war genau die richtige Menge um ihm die Menge Schmerz zu erzeugen die es ihm verbat auf seinen Beinen zu bleiben.
Sein Schmerzensschrei, hatte die richtige Lautstärke um die Sicherheitsleute des Clubs zu ihnen zu locken und mit genau der richtigen Menge an Gewalt wurde er aus dem Club getragen und auf die Straße gesetzt.
Vor ihm hielt kurz darauf ein Fahrzeug mit einem jungen Fahrer. Der Mann krubelte sein Fenster herunter und fragte den rausgeworfenen ob alles in Ordnung wäre.
Das war genau die richtige Menge an Fürsorge, dachte er mit noch immer tränenden Augen. Sein Blick scannte den Fahrer.
„Soll ich dich irgendwo hinbringen?“, fragte er freundlich.
„Sie haben genau die richtige Menge an Armen.“, antwortete er ihm leicht dümmlich.

>> genug davon! <<

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