Das war ja was. Wider erwarten flog ich mal wieder in der Vorrunde raus, die Leute sind einfach nicht bereit für meine kurzgeschichtigen Nonsense Konstrukte. Die Frage ist, ob ich mich anpassen sollte. Sollte ich meine Texte mit Wortspielen überladen? Sollte ich den Geschichten einen tiefgründigen Twist geben? Vielleicht eine moralisch Anspruchsvolle Quintessenz? Sollte ich vielleicht sogar auf eine ausschweifende Lyrik umschwingen? Viele Fragen, um deren Beantwortung ich mich kaum bis gar nicht kümmern werde.
Klar könnte ich solche Schlüsse ziehen. Und ich kann garantieren, dass ich mit solchen Methoden meine Talentlosigkeit sicher überspielen könnte, aber, und das ist mir sehr wichtig, ich mag es so zu schreiben, wie ich es tue. Es ist für mich eine Genugtuung den Quatsch, den ich mir beinahe alltäglich ausdenke, in kurzen Erzählungen vorzutragen.
Sicher ist, dass es einen negativen Einfluss auf die Bereitschaft haben könnte mir eine Chance zu gewähren. Aber bisher ist mein schlechter Ruf noch nicht dermaßen verbreitet, dass ich da Probleme bekäme. Zudem gab es eine Rückmeldung, über mehrere Ecken, die mich sehr glücklich macht. Ein Zuschauer sagte wohl beim Rauchen vor dem Circus Maximus:
„Der Typ aus Trier ist jawohl mal voll durch.“
ein Zuschauer
Das war eine Aussage die vermutlich mich betraf, denn ich bin als Trierer angekündigt worden und war der einzige auftretende dem diese örtliche Zuordung zukam.
Der Auftritt selbst war, gefühlt, großartig gelaufen. Ein Freund der im Publikum saß, meinte zwar ich habe einige Wörter verschluckt, aber vielleicht war es auch einfach nur mein inkonsistenter Satzbau. Trotzdem habe ich den Text mit den Tags „aufnehmen“, „prüfen“, „nichtgut“ versehen. Letzteres Tag beschreibt die Unbrauchbarkeit des Textes für Slams und die ersten beiden stehen für die Überprüfung der Wortverschluckungen.
Interessant war vielleicht noch, dass Daniel Wagner aus Heidelberg an dem Abend anwesend war, der Mensch, der den ersten Slam an dem ich in Trier teilgenommen hatte, gewonnen hatte, war auch bei meinem ersten Slam in Koblenz in den Top 2.
Meine Wohnung war endlos groß, ich hatte gerade vor einer Woche dafür gesorgt. Mit einem Vorschlaghammer. Jetzt bildete ich und vor allem mein Resort, eine Einheit mit dem Universum. Das Feng Shui könnte frei im endlosen Raum herum tollen. Ein Geniestreich der seines gleichen suchte.
Leider,… gab es letzte Nacht das erste mal Frost.
Meine Freundin hatte mich noch davor gewarnt, also, bevor ich mit dem Abriss der Wand begonnen hatte.
Ich antwortete ihr damals: „Aber das Universum, es braucht seinen Platz zu Atmen!“,
„Ich wohne eine Weile bei meinen Eltern.“ , entgegnete sie mir schließlich, als sie auch gleich das Gebäude durch die Tür verließ.
Türen, pff lächerlich. Welcher ergonomisch günstig geformte Mensch braucht schon Türen?
Einer hat mal zu mir gesagt, dass sich immer ein Fenster öffne wenn eine Tür geschlossen wird.
Als meine Freundin unser Refugium durch eine eben solche verlassen hatte und das klicken des einrasteten Schlosses mich zurück aus meiner Sekunden andauernden Erklärung riss, öffnete ich das wohl größtmögliche Fenster.
Es brauchte 4096 kräftige Hiebe, verteilt auf 32 Arbeitsstunden und die Bildung von 16 Blasen sowie mehreren Schürfwunden um dieses glorreiche Projekt letztlich zu vollenden.
Als ich mein heiliges und vollkommen Sinnvolles Projekt abgeschlossen hatte, waren die ersten die von meinem Schaffen beeindruckt werden sollten, meine Nachbarn. Diese kamen gerade, inklusiver Ihrer kleinen Menschenpersonen, aus dem Urlaub an der Küste der Mosel zurück.
Zunächst schienen sie etwas gereizt ob der fehlenden Außenwand, die sich aus Mangel der Präzision sowie einer gewissen Neigung zu Symmetrie meinerseits nicht nur über meine Hälfte des Gebäudes ausbreitete.
Die Familie konnte sich glücklich schätzen, ich hatte ihnen einen ganzen Berg Arbeit abgenommen. Eine gelungene Überraschung war es sicherlich auch.
Ich grinste ihn an.
Seine Verärgerung schien zu verfliegen, er lachte sehr laut. Ich erkenne ja Freude wenn ich sie sehe. Er lachte jetzt noch lauter und beinahe hysterisch. Mit dieser Begeisterung hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich musste es ihnen nicht einmal erklären! Sie weinten,
… vor Freude wie ich meine.
Drei Tage konnte ich meine Verbundenheit mit dem Universum genießen.
Aber dann kam eben der Frost, meine Überzeugung, dass es sich um die endgültige Öffnung zum Universum gehandelt hatte beging zu bröckeln.
Langsam umwob mich die Kälte, die meine Glieder langsam ertauben ließ. Sie ging einher mit einem bläulichen Schleier, der sich in meine endlose Welt zu schmiegen schien… Ein wunderschöner, blauer pulsierender Schleier…
Meine Wohnung war endlos klein, sie hatten dafür gesorgt. Jetzt war ich ein Gefangener. Aber so wie ich das sah, war meine Verbindung zum Universum nicht etwa abgerissen.
Sie schien stärker denn je und alles war so weich…
Das Schen Fui hatte kaum mehr Platz um sich unsortiert im Raum zu verteilen. Einen größeren Einklang mit dem tiefen universalen Seins, ohne der Gefahr zu laufen zu erfrieren fände ich wohl nie wieder.
Ich sah klar, es war die Enge, ja, weniger Platz optimierte diese Verbindung!
Die einzige mir bekannte Methode noch weniger Platz zu bekommen, wäre es, von innen Wände auf die Wände zu setzen!
Ich erinnerte mich zurück an meine Ausbildung zur Honigbiene.
Auch wenn ich aufgrund eines persönlichen, für mich schmerzhaften und für meines gegenüber tödlichen Disput frühzeitig diese Ausbildung abbrechen musste, kannte ich noch die Grundtechniken wie man Wachs in Wabenmuster ausspeien konnte.
Salopp gesagt, kotze ich den Raum immer Enger und Enger bis ich nur noch in einer winzigen Wachswabe in der Mitte, in unbequemer Haltung liegen konnte.
Und tatsächlich sorgte diese extreme Enge für das optimale Lebensgefühl, selbst die ungemütliche Körperhaltung konnte dieses nicht mindern.
Um auf Ewig hier verharren zu können verpuppte ich mich schließlich und ich erlangte aufgrund meiner vollkommenen Unbeweglichkeit das Wissen und die Antworten auf alles. Letztere waren meistens : „doch“.
X = ...
Y = ...