Ich stehe vor einem Mikrophon und liest einen Text. In schwarz weiß.
Foto: Felix Bartsch, www.instagram.com/flxbrtsch

Novembtour

Oh mein Gott, ihr werdet es nicht glauben, drei Tage drei Slams und das alles von unterwegs aus!

Aber fangen wir von vorne an. An einem Samstag im regnerischen November, was nicht unbedingt erwähnenswert ist da es im Herbst relativ häufig regnerisch ist, aber es verathmosiert diesen Beitrag, jedenfalls begab es sich zu dieser düsteren Zeit, dass ich zu einem Fest geladen war, welches mir als Ausgehen mit meinem besten Freund verkauft worden ist.

Nun reisten wir in die ferne Stadt Bonn wo alsbald die ersten anderen Freunde hinzu kamen und wir verschiedene Sachen machten und in einem sogenannten „Wohnzimmerigen Slam“ zusammentraten.

Hier lasen meine Freunde und meine Geschwister jeweils kleine Geschichten vor, die sie entweder selbst oder aber von mir geschrieben waren. Meine große Schwester gab den Auftakt mit einer, von mir im ungefähren Alter von 11 Jahren auf Kassette aufgenommen und von ihr transkribierten, sehr mmh egomanischen Kurzgeschichte die als Hauptthema offensichtlich mich beinhaltete.

Genau genommen waren alle Geschichten des Abends mir oder meiner Familie gewidmet. Was mich in etwa durchgehend zum heulen veranlasste.

@__flicky__ überließ mir schließlich eines der von ihr designten Plakatlayouts um per Facebook auf die darauf folgenden drei Slams meinerseits aufmerksam machen zu können.

Hier standen nämlich drei wunderschöne Termine an, beginnend mit dem Slam in Linz am Rhein, meiner Geburtsstadt, wo ich den Text über meine Geburt vortrug und wie gewohnt den Rest der Veranstaltung den großartigen anderen Slammern zuschauen konnte. Außer mir gab es dort vier Lokalpoeten, die ihre ersten Gehversuche auf der Slambühne machten und mit Jesko Habert, Felix Bartsch, Anna Lisa und Artem Zolotarov und der Käptn, waren auch geübte Bühnenpoeten dabei um die Veranstaltung abzurunden.

…gelang es mir an den Zitzen eines Eichhörnchens genügend Energie zu tanken um meinen Waldaufenthalt zu überstehen.

Einen Tag später nahm ich dann mit Marcoo Vaentino, Natalie , Eva Lisa, Lea Sophie Keller, Michael Voss am wunderschönen kleinen Bärenslam in Bernkastel-Kues teil. Hier las ich dann einen neuen Text vor, welcher an klassische Jesusgeschichten angelehnt sein sollte und es dabei dementsprechend nicht um den Inhalt als viel mehr um den nostalgischen willenlosen Glauben ging den man beim hören empfinden sollte.

Sein Blick erfüllte jene mit Freude die ihn wahrnahmen, und jene die es nicht taten, naja nicht.

Als letzter Tag, kam ich Samstag noch einmal zu meinem Heimatslam in Trier um es dort erneut mit dem Geburtstext zu probieren. Ich kam dieses mal sogar ins Stechen, verlor dies aber um die Tradition des Vorrundenauses zu wahren.

Meine Fontanelle war weich.

Allgemein kann ich sagen, tat es mir etwas leid, dass ich nicht in der Lage war für die drei Slams je neue Texte zu schreiben. Es war gerade einmal ein neuer dabei, da ich den Geburtstext ja auch bereits in Plaidt ausprobiert hatte.

Trotzdem hatte ich eine fantastische Woche mit so vielen unvergleichlichen Erfahrungen, dass ich danach erst einmal eine Pause vom Schreiben und Lesen brauchen würde. Dezember wird auf jeden Fall (wahrscheinlich[vielleicht{evt.}]) vortragsfrei.

63 Meine Geburt

Meine Geburt war ein Phänomen. –
Hier oben auf dem Berg wurde mir das Leben geschenkt. Ich war zwar noch recht jung zu dieser Zeit, aber es gibt da schon einige Details die mir noch gut in der Erinnerung geblieben sind.
Zunächst mal, war da miene Mutter, na klar, ich pflege auch heute noch einen regen Kontakt zu ihr. Sie war selbst nicht von hier.
Sie war ein Alien, könnte man sagen.
Wobei, das sicher falsch verstanden werden könnte, also ja, sie war nicht von dieser Erde, das ist schon korrekt, aber sie war eben auch kein Lebewesen.
Sie war als in Dattenberg eintraf, ein Meteor gewesen. Sie hinterließ einen tiefen Krater, der sich alsbald zu einen kleinen See mit Wasser füllte.
Sie selbst fühlte sich im steigenden Wasserpegel nicht wohl, ja sogar deplatziert und das führte zu einer Existenzkrise. Sie hinterfragte sich und insbesondere ihre Art, sodass sie sich dazu entschied fortan als Frau auf dieser Welt zu wandeln. Denn nur so standen ihr die Türen offen, Dinge zu tun, Zeug zu tätigen und Sachen zu machen.

Schließlich führte eins zum Anderen, und zack, da war sie Schwanger.
Dann machte die Zeit was sie immer tat, wenn ihr langweilig war und so sorgte das verschreiten dieser, schließlich zu der bereits angekündigten Geburt meiner Entität.
„Sohn?“, fragte meine Mutter mit strengem Blick.
„Ja Mutter?“, antwortete ich etwas unbeholfen, ich war ja gerade erst geboren worden und das Sprechen fiel mir noch etwas schwer.
„Es ist an der Zeit.“, entgegnete sie mir und reichte mir einen Kurzbogen und einen Köcher mit sieben Pfeilen darin.

Ich müsste beweisen, dass ich als Mensch mehr als bloß ein hilfloses Baby sein konnte und sollte meine bisherigen Fähigkeiten zur Schau stellen.
Also kleidete ich mich ein, zerriss die Nabelschnur und nickte der Frau zu, die aber bereits den Raum verlassen zu haben schien.

Dann stellte sich heraus, dass sie doch noch da war und sie eine Zeitung abgesenkt vor sich liegen hatte.
Sie hob die Zeitung erneut und verschwand auch wieder, es würde eine Weile dauern bis ich dieses Phänomen verstehen könnte.

Meine Fontanelle war weich.
Aber mein Wille, diese Aufgabe zu erfüllen war hart wie Stahl.
Als ich im Wald den dritten Otter erlegt hatte, erkannte ich, dass die Jagd aus reiner Tatenlust ohne erkennbare Verwertung der Kadaver, nicht fair oder gar edel war. Es war nur ein grausamer Sport der in eine Zeit gehörte in der ich wohl gerade nicht war.
Mit zornrotem Kopf stapfte ich zurück in die Richtung des Kranknehauses, aber der Wald war voller Pflanzen, die ich noch nie gesehen hatte und jeder Ast schien ein unüberwindbares Hindernis für mich zu sein.

Ach, ach hätt ich nur erst einmal das Laufen oder zumindest das Krabbeln erlernt, bevor ich so übermütig und unvorbereitet losgezogen war.
Traurig sackte ich zu Boden und langsam kam auch Hunger auf. Doch wovon sollte ich mich ernähren? Weit und breit gab es nur Tiere; Beeren und Pilze.
[empört]Aber Rohkost für ein Säugling?
Mir war bewusst, Babys würden solche Sachen nicht essen oder gar vertragen und ich konnte ja schlecht, nach ein Paar Stunden Lebendigkeit bereits mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, hatte ja noch nicht einmal Zeit gehabt eine Krankenversicherung abzuschließen.
Stunden saß ich im Wald und beobachtete mit weiten Augen die zahllosen wilden Tiere an mir vorbei huschen. Was hatten die es nur so eilig? War hier irgendwie eine Art Säugetierrennen?
Säugetierrennen…
Säugetiere

„Potzblitz“, entfuhr es mir plötzlich und zur Verwunderung der anwesenden Waldbewohner.
„Das sind fast alles Säugetiere!“
Ich hatte soeben begriffen, dass ich lediglich eines dieser Tiere fangen musste um an deren Gesäuge zu gelangen. Das war es doch was Kinder groß und stark machte, Milch.
Also baute ich eine Lebendfalle und dadurch gelang es mir an den Zitzen eines Eichhörnchens genügend Energie zu tanken um meinen Waldaufenthalt zu überstehen. Trotzdem musste ich noch irgendwie aus dem Wald finden.

Mit den Jahren lernte ich im Wald gut und auch zufrieden zu leben und als sich im Alter von zwei Jahren mein Orientierungssinn ausprägte, erinnerte ich mich wieder an den Weg zurück ins Krankenhaus.
Meine Mutter saß dort wo ich sie verlassen hatte auf ihrem Schoß lag eine Zeitung.

Sie nickte mir anerkennend zu und an mir vorbei zog mein frisch geborener Bruder, mit Steinschleuder und Rucksack ausgerüstet an mir vorbei, aufdass auch er seine Ausbildung zum Menschen beginnen konnte.
Ich selbst jedoch war nun endlich etabliert, klar die Meteorgene ließen mich immer wieder in die ferne schweifen und den Drang verspüren nutzlos im All herum zufliegen, aber naja, eigentlich spielt ja jeder mal mit dem Gedanken Astronaut zu werden.

Eine Predigt

Jetzt kommt etwas, dassvor allen bei Religiös unentschiedenen zu einer dubiosen Mischstimmung führen kann. Ist Ihr glaube nicht gefestigt, so halten sie sich bitte an Ihren bevorzugten Gläubigen in Ihrer nähe fest, aufdass sie eine Spontankonvertierung vermeiden können.
Es folgen ein paar Worte über den von mir erfundenen,… also von mir wiederentdeckten Gott Thunderbolt Superclaw und seinen wichtigsten Propheten Gustav, – ne Günther wars, ne – doch Gustav war richtig.

Sohn von Leopold und Magdalena, Enkel von Richard noch einer Magdalena einer Maria und einem Joseph, der von seinen Freunden häufig Beerenjupp genannt wurde. Urenkel von Isolde , Christin, Ingo Lenßen dem Fernsehanwalt und verschiedenen Namenlosen weiteren Verwandten. Träger des Wappens der Habsburger aber nur aufgrund eines unangenehmen Zwischenfalls. Freund der Tiere außer Fischen, die sind in seinen Augen lächerlich. Günt, Gustav der Heilsbringer und eigentlich auch Imker, aber man hat ja kaum Zeit für seine Hobbys.
Und es stand geschrieben:
Die Arme waren gebrochen, doch es war an Günther, nein Gustav den Schaden zu sichten, auszuwerten und zu richten. Sein Blick erfüllte jene mit Freude die ihn wahrnahmen, und jene die es nicht taten, naja nicht.
„Ob der Schmerz, den du dort spürest, weltlich sei?“, erfragte er den Letten mit den gekrümmten Armen. Und er war es, der Schmerz war der weltlichen Art. Und so speisten sie zusammen, eine Blaubeere und zwei Kartoffeln für jeden der beiden und auch für die Frau des Letten.

Gustav bat um Nachschlag und vielleicht noch etwas Fahrtgeld, mal sehen wie der Abend so lief.
Gleich am nächsten Morgen kaufte er von dreien seiner Schillinge eine Kiste aus Kirschbaumholz und ebenso drei leere Flaschen höchste Handwerksgüte.
So schenkte er eine Flasche dem Letten, der ihm Obdach gewährt hatte.
Und er schenkte eine Flasche der Frau, die ihm Speis geboten und zubereitet.
Eine Flasche hatte er irrtümlich zu viel erstanden und so brachte er sie zum Glascontainer und warf sie in den grünen, da er den Unterschied der Farben kannte.
Nun trat er vor die Tür, noch vor der Rasur, und stellte sich auf die Kiste.

Zunächst wollte er eine Panto mimem oder eine lebendige Statue vielleicht… das wär ja was oder? Dann jedoch dachte er, er müsse doch etwas zu sagen haben:
„Höret her ihr Volk und deren Kinder:“
Seine Stimme sank zu einem Flüstern:
„Und ob ihr höret wenn ich da flüstere?“
Eine Frau trat hervor, eine Wanderin, Sie trug keinen Namen aber viele Hüte. Sie hatte nur eine Sache zu sagen und auch nur eine Niere.
„Ich habe nur eine Sache zu sagen, ich habe nur eine Niere.“
Ein raunen durchzog die Menge, verstand doch keiner sorecht was da eigentlich mit gemeint war.
Arno,.. also Günther, Gustav trat von der Kiste herab und an die Frau heran und reichte ihr eine zweite Sache, eine zweite Niere.

Es war nicht ersichtlich woher er sie nahm, vielleicht kam sie von Gooooootttt höchst persönlich, oder aber er war selbst Organspender, da sollte man mal eben nachhaken.
Dann schritt er an einen See und er erkannte den Rauch des Kamins einer einsamen Hütte am See, jedoch kehrseitig seines Ankunftsorts. So schritt er zunächst diagonal kreuzend über die Oberfläche des Sees um seine Wunderlichkeit darzustellen und auch um ca. 15 Minuten Weg einzusparen.
Das Wunder blieb jedoch ungesehen, denn es war ja bereits nach 18:00 Uhr, Nebel stand tief und die Uhr war schon auf Winterzeit umgestellt.
Ein Blick war getrübt und ein Fußbad dampfte in den Raum als Gustav letztlich die Sauna eines alten Fischers betrat.

„Puh, hachter Tach.“, sprach Günther, Gustav mein ich und er erzählte dem Fischer von seinen Taten. Gebannt lauschte dieser den Erzählungen während er regelmäßig die Aufgüsse erneuerte und er seine Wunder kaum glauben wollte.
Dann aber stellte Günther-Gustav zwei Fragen:
Die erste und aber auch die letzte.
Der Fischer aber konnte nicht mehr Antworten, denn Gustav kleidete sich bereits ein und ließ ihn mit den beiden Fragen alleine.
Viel später erst erfuhr er wer Gustav war, denn sein Twitteraccount war ja noch für 24 Stunden gesperrt gewesen, sodass er ihn über Facebook und Instagram suchen musste.
Und wo immer Gustav auftauchte, machte er sonderbare Dinge und sprach von seltenen Murmeln die er zu besitzen glaubte.

Er war wahrlich von Gott berührt, doch die Ermittlungen liefen noch und so will ich keine Gerüchte streuen.
Und so wie er schon wundersame Dinge tat, so ist es nun an uns, sonderbares zu tun und sonderbares zu behaupten, denn so war es gefordert schon vor Äonen.

>> genug davon! <<

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