Was hat zwei Daumen und seinen 18. Geburtstag? Keine Ahnung, aber letzterer Teil passt auf jeden Fall zum Poetryslam in Trier! Jaha! Geburtstagsstimmung wie sonst was! Es war ein kleiner Abend, aber auch ein geiler!
Es gab zum Beispiel einen Chor die zu Beginn und vor dem Finale ein kleines Geburtstagsständchen gesungen haben. Und es gab Kuchen im Backstage, frisch und vegan zubereitet vom großartigen Don Esteban! Der im übrigen auch, zusammen mit Anna Lisa, das Finale in einem Hippiesieg gewinnen konnte. Also es konnte nicht festgestellt werden, wer mehr Stimmen hatte, was aber auch dazu führte, dass sie den Zugabetext zusammen lesen mussten. Well played Peter!
Neben diesen beiden großartigen Slammer*innen standen wir noch zu dritt plus einem Opferlamm. Und weil wir so eine kleine Gruppe waren durfte jeder gleich zwei mal. Hab mich dann auhch gleich für 2 neue Texte entschieden, einer über Poetryslamtexte und einer mit so einer Schleife, wie man sie von verschiedenen Dingen kennt.
Glaub ich war ganz gut, hatte auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl nach und aber während des Auftritts.
Zuschauertechnisch befanden wir uns in einem 30er Livebereich und 15er Streambereich würde ich sagen. +- 1000 Ich hab nicht mitgezählt. Hab ich doch, deswegen das mit den 30er und 15er.
Nach dem Auftritt, hatte ich nochmal kurz gelegenheit mit zwei Leuten aus dem Publikum zu sprechen, die mir nochmal gesagt haben, dass die meine Texte, insbesondere den zweiten, super gut fanden. Und dass sie es schade fanden, dass das nicht alle so gesehen haben, naja. Nichts streichelt mein Ego mehr als wenn jemanden der Quatsch gefällt den ich da mache 🙂
Ich habe mittlerweile etwa 1000 Texte gehört, oder gelesen.
Texte die mich berührt haben oder mich staunen ließen.
Texte gehört über Gefühle,
Texte gehört über Ängste,
Texte gehört über Wut,
Texte gehört über Leute die in der rechten Kniescheibe einer anderen Person wohnen
Texte gehört voller Anaphern.
Texte gehört über Texte.
Ich würde mich nicht wagen, so anmaßend zu sein und diese Texte zu klassifizieren. Sie Mustern zuzuordnen, sie zu Werten. Wobei das ja irgendwie der Kern des Ganzen ist…
Oder sie gar zu immitieren…
mmmh.
Doch fällt es mir oft schwer,
so tragisch es denn klingt,
mich Wertefrei und leer
wenn Sprache in mich dringt
Zu geben und zu lassen
was jede selbst erdenkt
so gib es mir zu fassen
was Sprache euch hier schenkt.
Und mehr noch: Jedes ‚es war einmal‘, jedes ‚eines Tages Baby‘, jede verlorene Kontaktlinse die so laut zu Boden trifft, dass man sich fragen könnte, ob es sich vielleicht doch um etwas viel größeres gehandelt hatte! Jedes ‚bumm bumm‘ jedes ‚tip tip tip‘ jeder Klang in Worte gesteckt und dann in Kunst gekleidet.
Jeder Mensch der was zu sagen, jeder Mensch der was zu fragen hat. Jedes Gendersternchen was gesprochen wird. Jeder Aufruf zu mehr. Jeder Aufruf zu weniger. Bei jeder Ellipse und jedem Worspiel, dass dann doch nicht ganz so rund… Jedes Mal wenn jemand Dinge aufzählt und man denkt: „oha, ja dafür schnippe ich jetzt mal“,
Und mehr noch: Wenn sich nach hundert tausend Worten der Kreis geschlossen hat. Der Anfang paraphrasiert, Kunst erkennbar und sprachliche Meisterschaft sich offenlegt. Stehe ich da mit offenem Mund und staune nicht schlecht. Und solche Leute stehen auf Bühnen? MIT MIR? Leute die sich Kapitel für ihre Kurzgeschichten erdenken und diese dann wie frei von der Leber durchzählen:
1.
Menschen die 100 Zeilen, nicht bloß verfassen,
sondern eben jene Teile in Sprache fließen lassen.
Aus Rinnsalen von Wörtern, Ströme von Worten machen.
Und durch komplexe Metaphern Großbrände entfachen.
2.Und mehr noch,
Menschen die durch Rythmik mit Sprache tanzen,
Und mit einfacher Lyrik Farben in Köpfe pflanzen
an System und Gesellschaft vehement kratzen
und des Textes wegen am Ende ins Mikro schmatzen
Oder Muster durchbrechen. Meist selbst auferlegte.
Jedes mal wenn ein Ich Erzähler erzählt, was er eben so zu erzählen hat.
Da war ich dann, müde vom Kampf mit dem sprichwörtlichen Monster. Erschöpft und kaum mehr im Stande zu stehen. Ich weiß nicht mal mehr ob es Tage oder Monate gewesen waren, es hatte mich aufgefressen. Verschlungen vom Wortklang und Satzsinn, vom ausformulierten Sportwahn und Schwachsinn. Von Angliz- und Neologismen. Von Stabreim und dem muttergefickten vierhebigen Jambus oder wars n fünfheber?
Pardon, kleiner Faupax – excuse moi,
Texte sind auch oftmals Bilungual
So oder so ich kann es nicht genau sagen.
Hab selbst gerade mal soviel Sprachfinesse wie.. ähm.. bspw. ein Bagger ähm … naja irgendwas eben hat. Es ist ja nur ein Bagger, da gibt es nicht viele Eigenschaften, sie sind gelb? Es gibt zu wenig Texte über Bagger.
Viel zu wenige Texte über Bagger…
Und immer wieder, suchen Autoren nach Worten, nach dem einen Satz mit dem Sie ihren Text beginnen können
oder nach Themen und dann schreiben Sie darüber, dass sie schreiben wollen und bauen einen Text der einen auf eine umschweifende Reise der Fantasiefindung mitnimmt.
Sie schreiben über Feminsimus und Antifaschismus,
Ökologie, Technologie und Kapitalismus,
Zugfahrten und allgemeine Kritiken
Und natürlich diesen einen Text über Käse.
Ich habe mittlerweile 1001 Texte gehört, oder gelesen. Texte die mich berührt haben oder mich staunen ließen. Texte die ich nicht verstanden habe, oder wieder vergessen… Texte die mich bis heute begleiten.
10.000 Sätze die ich analysiert und interpretiert habe.
100.000 Wörter die ich zugeordnet oder nochmal lieber nachgeschlagen habe.
Aber egal welchem Text, ja ganz egal welchem!
Keinem einzigem Text kann ein noch so zehniger zehn Punkteapplaus gerecht werden.
„Gott verfickte Scheiße schon wieder!“,
„was denn los, was denn los?“,
„Hier“, sie wedelte wütend mit einem, ca. in Schriftgröße 12 verfassten Schreiben, auf die Entfernung, schätzte ich, dass es sich bei dem Logo oben rechts um das des Vermieters handeln musste.
„Es handelt sich tatsächlich um das Logo des Vermieters!“,
„Was?“
„Was?“
„Na, was du gerade…“
„Die Schweine wollen eine Mieterhöhung, aber schreiben dann einfach ‚Sybille‘ MIT Y!!! Wie Kacken dreißt können die bitte sein???“,
wie wir in diese Situation gekommen sind? Nun, das ist eine längere Geschichte, um genau zu sein, ca. 4-6 Minuten, je nachdem wie schnell gelesen wird.
Klar, das überfordert heute 90% aller Aufmerksamkeitsspannen, aber ich habe mit Jumpcuts gearbeitet, weil die sind modern, um alles leicht und verständlich zu formulieren.
Alles Begann vor etwas mehr als 12 Monaten:
„Gott verkackte Fickscheiße schon wieder!“,
„was denn los, was denn los?“,
„Hier“, sie wedelte wütend mit einem, ca. in Schriftgröße 12 verfassten Schreiben, auf die Entfernung, schätzte ich, dass es sich bei dem Logo oben rechts um eines der potentiellen Vermieter handeln musste,
„Es handelt sich tatsächlich um das Logo einer der Vermieter!“,
„Was?“,
„Was?“,
„Na, was du gerade…“,
„Wir haben die bepisste Wohnung tatsächlich bekommen, Scheiße geil was für ein bekacktes Glück ey! Aber die haben doch tatsächlich ‚Sybille‘ MIT Y geschrieben, diese gottverdammten Pissnelken!“,
so also hatten wir unsere Wohnung bekommen und damit den Grundstein für unseren Untergang gelegt. Denn wer wohnt, der lebt nicht mehr, so sagt zumindest ein recht junges schwedisches Sprichwort. Und wir standen nun also bereits 5 Tage später in unserem wesentlich teureren aber auch wesentlich weniger gesundheitsgefährdenden Heim und freuten uns einen verfickten Ast ab. Als sie eines Tages mit einem Brief in der Hand in der Wohnungstür stand:
„Jesus Pissflitche Pimmelkopf-Scheiß schon wieder!“,
„was denn los, was denn los?“,
„Hier“, sie wedelte wütend mit einem, ca. in Schriftgröße 12 verfassten Schreiben, auf die Entfernung, schätzte ich, dass es sich bei dem Logo oben rechts um eben das Logo des Vermieters handeln musste,
„Mo mo mo moment mal“,
„Was?“,
„Das,… Äh ich hab ein deja vu“,
„Wie ein deja vu? Ein sogenannter Fehler in der Matrix oder was?“,
sie wusste ganz genau, dass ich den Film zum kotzen fand und den Fehler in der Matrix-Spruch in solchen Situationen ganz besonders… Trotzdem, antwortete ich:
„Ja, das ist bereits das 3. mal, dass das passiert.“
„Nein, gar nicht, das ist das zweite mal“
„Wie meinst du?“,
„Na das erste mal war ja in der Zukunft und dann wurde zurück geblendet.“
„Oh“
„Ja oh allerdings!“
„Oh oh“
„Ja auch das, verfickte Scheiße, weißt du was das bedeutet?“
„Äh, Zeitschleife?“
„Zeitschleife.“
„Zeitschleife!!!“
„Ja das hab ich doch schon bestätigt du Pisspimmel.“
„Und jetzt?“
„Jetzt geh ich irgendwas tödlich endendes machen, nur in Zeitschleifen kann man sowas tun. Weils einfach wieder von vorne anfängt, verstehst du?“
Sie verließ unser Zuhause und schien das erste mal seit anbeginn des Textes gar nicht so doll aufgebracht. Leider stellte sich aber recht schnell heraus, dass es sich nicht, wie wir beide vermutet hatten, um eine Zeitschleife, sondern viel mehr um einen Erzählfehler gehandelt hatte.
— UPSI! —-
Ihr Tod war somit leider unumgänglich und von Dauer und ich war ganz allein gelassen. Um nun aber das Paradoxon zu lösen, dass dadurch entstanden war, dass sie ja zu Beginn des Textes, also zum Ende der Erzählung, gar nicht existierte und somit eine komplette Vernichtung der Existenz zu verhindern, suchte ich mir eine neue Freundin, um zuletzt eben doch noch in eben jene Situation geraten zu können.
„Gott verfickte Scheiße schon wieder!“,
„was denn los, was denn los?“,
„Hier“, sie wedelte wütend mit einem, ca. in Schriftgröße 12 verfassten Schreiben, auf die Entfernung, schätzte ich, dass es sich bei dem Logo oben rechts um das Logo des Vermieters handelte.
„Es handelt sich tatsächlich um das Logo des Vermieters!“,
„Was?“
„Was?“
„Na, was du gerade…“
„Die Schweine wollen eine Mieterhöhung, aber schreiben dann einfach oh! Sie haben Sybille sogar richtig geschrieben, mit Y, genau wie ich geschrieben werde, alles gut meine Aufregung war unbegründet!“,
„warte was fuck, du wirst mit y geschrieben?“
Eine reißendes laut schlürfendes Geräusch zog sich durch das gesamte Universum, als es sich stark aber vergebens gegen seine eigene Aufhebung aufbäumte und schließlich in ca. unendlich viele Teile zerriss. Schade um das Universum, obwohl, wenn man mal ganz ehrlich ist…
X = ...
Y = ...