33 KGB in Trier

Am 06.06.2019 besuchte ich dann erneut das fantastische „Kunst gegen Bares“ in Trier. Das Veranstaltungsformat flasht mich nach wie vor. Hier treten X Künstler nacheinander in jeweiligen 10 Minuten Parts auf. Was sie dabei machen ist vollkommen Ihnen (und ein bisschen den physikalischen Gesetzen, vielleicht) überlassen.

Jedenfalls haben sie 10 Minuten Zeit sich zu präsentieren und werden, vom Publikum, höchst persönlich!, mittels Sparschwein entlohnt. Das direkte Feedback, das man erhält, hilft einem ungemein etwas an Selbstsicherheit aufzubauen. Am Ende wird zwar noch „Wettbewerbsmäßig“ geschaut wer die höchste „Gage“ bekommen hat, aber die Ermittlung des „Besten“ ist sicherlich nicht das Herzstück des Formats.

An diesem Abend trat ich als Ersatzmann an, relativ schlecht vorbereitet, aber mit Text in der Tasche, weil ich es schon ein bisschen gehofft hatte, dass ein Platz frei würde. Vorgelesen habe ich einen für meine Verhältnisse recht düsteren Text mit dem lieblich mutmaßenden Titel „Schmetterling“

Neben mir, traten einige Künstler auf, keine Ahnung ob ich die nennen darf, deswegen umschreibe ich sie, außer diejenigen die ich persönlich kenne, die erlauben mir das sicher.

Auf der Startposition 1, waren Lava Nit, eine eifler Band denen leider ein Mann fehlte. Allerdings konnten sie durch sehr lustige Texte mit ihrer Cajon und Gitarre das Publikum zu einem zweiten Platz überzeugen.

Danach folgte ein Comedian, der es verstand das Publikum durch dargestellte Antriebslosigkeit den Spiegel der Entelanisierung des Abendlandes vorzuhalten.

Nach dem Comedian wurde es etwas bedachter, eine junge Poetry Slammerin, die schon einmal mit mir auf der Bühne stand, trug zwei Texte vor. Sie kreiert vor allem anspruchsvolle lyrische Kunst, die handwerklich einfach ein zwei Klassen über meinem gelebten Unsinn sind.

Dann trat, meines Erachtens, eine vollkommene Überraschung auf. Ein Pantomimendarsteller, der ein ‚Konzert‘ gab und dafür unbeteiligte aus dem Publikum zog. Diese spielten für ihn das stummes Konzert, er war der Dirigent. Eine fantastische Performance, die vor allem einen Oho Effekt mit sich trug, den ich einfach nicht erwartet hatte. Ehrlich gesagt hatte ich eine negative Grundeinstellung, als ich hörte, dass eine Pantomime käme und dann endete der Auftritt aus meiner Sicht als der stärkste des Abends, aber leider nur als dritter Platz.

Dann kam die Pause. Oh liebe Leser, ich kann euch gar nicht erklären wie sehr die Pause doch Pause war. Ich werde es in ein möglichst verständliches Wort packen, eines welches der Pausigkeit gerecht werden kann. Ein Wort das alle Facetten dieser eingelegten Pause zusammen fassen kann: „Pause“.

Künstler Nummer 5, war der spätere Sieger des Abends, ein junger Punk mit Klampfe. Rein optisch schon die perfekten Voraussetzungen mir zu gefallen, setzte er mit seinen großartig makaberwitzigen (Ein Wortkompositum aus Makaber und Aberwitzig, von mir selbst erfunden, vielleicht schon in aller Munde und bereits im Duden, ich schau jetzt nicht für euch nach, was bildet ihr euch eigentlich ein?) Texten, einer guten Stimme und einem einprägsamen Gitarrenspiel noch einen drauf.

Der sechste Startplatz war für den Typen reserviert der sich selbst schon profiliert hat in diesem Blog, weil es nun einmal sein Blog ist. Der „ich“ war das nämlich. Ich fand den Text gut, sonst hätte ich ihn nicht gelesen. Was soll ich sonst noch sagen? Bester Künstler des Abends? Sicherlich. Aber auch attraktiv und genau die Art Mensch, von der man sich erhofft, dass er mal mit euren Hund Gassi geht, wenn ihr versteht was ich meine. Also, weil ihr selbst vermutlich viel zu tun habt und einfach mal ein paar Minuten für euch braucht um eventuell mal abzuschalten, war ja auch ein harter Tag gewesen.

Nummer 7 war ein weiterer Comedian. Er beschäftigte sich vor allem mit den Belanglosigkeiten die man als Smalltalkaufhänger verwendet. Hier ging er unter anderem auf seinen Hausmeister ein, der ein besonderes Interesse an Fliesen entwickelt hatte und immer wieder darüber sprechen wollte.

Gefolgt von der Nummer 8, einem jungen Liedermacher, mit Gitarre, Fußcajon und Stimme bewaffnet, sang er zwei englischsprachige Songs die eine gute Laune / wärme Aura in den Raum pressten.

Als letztes trat ein Informatikstudent auf, er hatte mehrere multilinguale Sprechgesangstexte dabei. Den ersten trug er als Gedicht vor, die anderen in musikalischer Form. Dazu wurde er kurzer Hand von der Band Lava Nit begleitet. Die spontane Aktion machte den Auftritt zwar etwas unkoordiniert, aber sorgte im Publikum für ein positives Feedback.

So, ich meine so ausführlich habe ich noch nie die Auftritte der Anderen beschrieben. Meistens bleibe ich bei meinem. Aber ehrlich gesagt, habe ich ein wenig Sorge, dass das Format verwaist. Ich wollte die Vielfälltigkeit, die man an einem Abend erleben kann, einmal ausformuliert zu Papier, ne, sagen wir zu Screen bringen.

Ich kann das Veranstaltungsformat beiden Seiten nur empfehlen, sowohl den Künstlern, die sich unsicher sind, ob das was sie tun schon „reif“ genug ist. Ich kenne die Selbstzweifel die einen da manchmal packen. Als auch den Zuschauern, die seltenst eine solche Vielfalt geboten bekommen. Und auch selten eine so gute Chance haben jungen Künstlern Selbstvertrauen zu spenden.

Schmetterling (47)

Niemand war da um ihn jetzt aufzufangen. Keiner würde seinen Sturz sehen und seinen Fall bremsen können. Es war zu spät sich ein Herz zu fassen und ihn vor dem unausweichlichen zu bewahren.
Nicht dass es jemals eine Situation geben wird in der man jemanden vor dem Unausweichlichen bewahren könnte. Weil dann wäre das retroperspektivisch nicht unausweichlich gewesen. Hier und jetzt war es aber eindeutig unausweichlich ab einer Geschwindigkeit von 270 Km/h war ein ungebremster Aufschlag unausweichlich tödlich.
Klar, der Aufschlag selbst bremst den Körper, aber bis dahin eben ungebremst.
Manchmal liest man von Leuten, die kurz vor dem Aufschlag vom Wind erfasst wurden, dadurch an Fallgeschwindigkeit verloren und sich lediglich ein paar Schrammen zuzogen. Natürlich wäre eine solch wunderliche Fügung ein letzter Strohalm,
nicht einer dieser Strohhalme aus Plastik, die vielmehr Plastikhalme heißen müssten und aufgrund ihrer Haupttätigkeit Müll zu sein, mittlerweile auch als solcher gelten. Sondern eben einer der originalen -3000er Jahre Strohhalme aus Stroh.

Es war Windstill. Und der Strohalm würde davon geweht werden, wenn es eben nicht so verdammt Windstill wäre. Oder war da doch ein Wind? Aber ja! Der Fallwind! Aber der ist bekannter Maßen die faulste Art des Windes. Fallwind hat noch niemanden gerettet.
„Jetzt noch eine rauchen…“, dachte er als er ohne sich dafür entschieden zu haben, oder wissentlich seinem Körper befohlen zu haben nach seinen Zigaretten zu greifen, eine Packung aus seiner Jacken Innentasche herauszog. Der besagte Fallwind aber, riss ihm jede ausgepackte Zigarette aus der Hand oder aus den Mund.
Es war keine mehr übrig, als er das langsam zu begreifen schien. Kurz war er irritiert die Bewegung „Griff in die Jackentasche, griff Zigarette, Zigarette zum Mund führen, Griff Feuerzeug.“, war zwar eine gut eingeübte, aber sie schien dennoch viel zu schnell gelaufen zu sein. Neun Zigaretten waren in den Paket gewesen. Wenn er jede abgeschlossene Bewegungsschleife mit 5 Sekunden berechnete, waren das 45 Sekunden. Bei zirka 100 Stockwerken die jeweils eine Raumhöhe von etwa 2,50 haben plus die dazugehörigen Zwischenböden, die er mal frei auf 50 Zentimeter schätzte käme er auf eine Fallhöhe von etwa 300 Metern. Dann beträge die Fallzeit aber bloß 7,8 Sekunden. Wie sollte er also in der Zeit die ihm gegeben war alle Zigaretten ausgepackt und verloren haben?

„Surreal, nicht wahr?“, eine unbeschreiblich Verachtungswürdige Person stand neben ihm. Sie war nicht besonders hässlich, oder sonderlich Arrogant. Aber man fühlte eine innere Abneigung gegen die Person wenn man sie sah.
„Wieso stehst du?“, fragte er
„Wieso fällst du?“, fragte sie

Dann war es Still. Es hatte eine Weile gedauert bis jemand in der Gasse den durch den Aufschlag zertrümmerten Körper als einen solchen erkannt hatte. Sie rief, nachdem sie die Situation Interpretiert hatte, umgehend den Notruf. Und sie fragte sich, ob diese nun mit Krankenwagen ankämen und ob sie Schaufeln dabei hätten. Schaufeln wären praktisch und notwendig, dachte sie.
Ohne das sie bemerkt hatte wie die Zeit vergangen war, standen nun Beamte in der Gasse, einer sperrte den Bereich ab. Zwei junge Polizisten liefen auf sie zu und sie dachte kurz, dass hoffentlich niemand das Gras in ihrer Tasche fände. Ihr wurde ein glitzerner Umhang umgebunden. Vielleicht ein Preis für den Fund?
„Hören Sie mich? – Ich denke ein Schock oder s…“, sagte vermutlich einer der beiden Polizisten. Ein dumpfes Pfeifen wie wenn man zu schnell einen Berg hoch oder herunter fährt ließ die ganze Sache unwirklich erscheinen.

Plötzlich hatte sie ein Heißgetränk in ihrer Hand. Sie schaute in ein grelles Licht und erkannte dahinter eine Person: „ Sie haben gerade etwas heftiges gesehen, ihr Körper und Geist haben Probleme die Sache zu verarbeiten. Ihre Pupillen scheinen aber wieder zu funktionieren. Ich gebe ihnen die Karte von einem Kollegen, guter Psychologe. Haben Sie den Sturz gesehen? “
Sie hatte keinen Sturz gesehen, nur Eingeweide und zertrümmerte Knochen, viel Blut. Ein paar Streuner die die Suppe vom Boden geleckt hatten. Dann: Blaulicht und Polizei. Vielleicht zwischendrin noch die Sache mit dem Smarten Mobilgerät aber sonst? Der Sturz war definitiv nicht dabei gewesen. Bei all den Erinnerung war sie sich sicher. Aber es gab lange Leerzeiten die sie nicht erklären konnte. Sie habe wohl drei Stunden da gestanden bis die Polizei kam. Was nicht für die Beamten sprach, aber sicher auch seine Gründe hatte. Die Wartezeit hatte sie einfach nicht gemerkt, sie müsste sich an mehr erinnern, als diese zwei drei Dinge die sie genannt hatte.
„Surreal, nicht wahr?“, eine überdefinierte groteske Person schwebte neben ihr. Sie war sehr Abstrakt, vielleicht aus Kinderhand gezeichnet. Aber irgendwie wollte man diese Figur anfassen und knuddeln, wenn man sie sah.
„Wieso schwebst du?“, fragte sie
„Wieso stehst du?“, fragte sie

Lautes Gewusel weckte den jungen Zauberer aus seinen Träumen. Er hatte Jahrelang in einer renomierten Zauberschule die wichtigsten Fähigkeiten erlangt um eben als ein solcher zu gelten. Er hatte nie einen Gedanken daran verschwendet, dass es für Bewerbungsunterlagen oder private Unterhaltungen problematisch sein könnte seinen Bildungsweg zu beschreiben. Ihm war es schlichtweg egal, dass die Menschen ihn für Verrückt hielten. Er wohnte schließlich in diesem Moment in einer Zaubererkomune, hier wurde er akzeptiert. Er hatte gar einen Mentor der ihm Abends Zauberbohnen brachte um seine Magie zu stärken und ihm halfen sie zu kontrollieren. Jeder hier hatte seine eigenen Fähigkeiten. Das lag daran, dass jeder andere Fächer belegt hatte. Seine Leistungskurse waren: „Schweben“ und „Zeitreisen“ gewesen. Seine beste Freundin, er kannte sie erst seit kurzem, hatte dieses wundersame dritte Auge. Ja, sie schlief immer sehr unruhig und erzählte dann von ihren Träumen. Hunde die Tote aßen, Menschen die einfach explodierten oder vom Himmel fielen. Klare apokalyptische Visionen. Er erkannte eine bevorstehende Apokalypse, er hatte schon viele kommen sehen. Die Visionen wurden von Woche zu Woche ruhiger und weniger und die Blutunterlaufenen Augen seiner Freundin ließen immer mehr nach, ein klares Anzeichen, dass das Ende nah war. Er schaute auf seine Zauberuhr, ein seltenes Artefakt mit dem man jedes Ende sehen konnte.

Seine Vorbereitungen waren getroffen. Er hatte alle magischen Bohnen gesammelt um seine Macht im richtigen Moment mit ihrer Hilfe zu steigern. Und er wusste, dass er den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen durfte, noch einmal schaute er auf seine magische Uhr. Zwölf Uhr, zeigte sie, wie so oft. Das war das Ende, das wusste er, er musste jetzt seine Magie spielen lassen. Er schluckte alle seine weißen magischen Bohnen gleichzeitig. Drei Wochen pure Magie. Er merkte wie sie ihn durchströmte ihm wurde schwindelig und die Welt um ihn verlief in bunten Farben.
„Surreal, nicht wahr?“, eine Person im braunen Anzug der absurd neutral aussah in dieser chaotisch zerfallenden Realität fiel neben ihm in den sich auflösenden Boden. Seine Zauberuhr verwischte langsam, er müsste sie später wohl nachzeichnen.
„Wieso fälltst du?“, fragte er
„Wieso schwebst du?“ fragte sie.

>> genug davon! <<

195. Trierer Poetryslam

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