Da war es dann tatsächlich soweit, am 18.02.2018 nahm ich an meinem ersten Poetry Slam teil. Das Line-Up umschloss eine Armee von fantastischen Textern, Sprechern und Schreibern.
Meine Nervosität stieg ungemein an, als ich erfuhr, dass wir neun statt den üblichen acht Teilnehmern zählten. Zudem kamen die Veranstalter immer wieder in den Backstagebereich um weitere Stühle heraus zu holen, weil nicht nur das Line-Up besonders umfangreich war.
Auch wenn die Leute um mich herum alle enorm sympathisch waren, traute ich mich kaum meinen Mund aufzumachen. Das ist so ein Problem von mir.
Daniel Wagner gewann schließlich den Abend mit einer besonders herausragenden Leistung.
Ich trug einen Text vor, über meine gleichermaßen tragischen und tödlichen Anreise zu der Veranstaltung. Ich schaffte es tatsächlich, dass die Leute lachten! Obwohl das natürlich ein sehr ernster Text gewesen war und mich die Resonanz nicht nur ein bisschen irritierte.
Im Finale las ich dann den ersten jemals von mir für so etwas verfassten Text, eine Geschichte über einen Seemann.
Ihr Titel lautet: Die Legende vom Seemann
Der Untertitel: Eine Legende über einen Seemann
Es stellte sich heraus, dass diese Geschichte im Rausch des Überstehens der ersten Runde, enorm kurz geworden war. Anstatt der üblichen sechs Minuten ( die schon eine Minute unter dem Limit des Trierer Slams liegt) brauchte ich weniger als fünf Minuten. Dadurch war ich schneller von der Bühne als, als dass die Geschichte hätte wirken können.
Ein einzelner Sonnenstrahl, heute Morgen, weckte mich indem er mir zärtlich den Bart kitzelte.
„Sonnenstrahlen?!“ mit einem Schlag war ich wach, das dürfte jawohl nicht wahr sein, die Sonne sollte sich eigentlich selbst noch in ihrem Bettchen befinden!
Anhand der Schatten die die Sonne, in Zusammenarbeit mit einigen Gegenständen, in mein Zimmer warf, erkannte ich, dass es bereits siebzehn Uhr war, ich hatte verschlafen!
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Mit einem gekonnten Flickflack stand ich auf und kleidete mich ein, heute stünde ja ein Vortrag an! Ja ich spreche von diesem Slam hier. Ich nahm meinen Schlüssel, ließ die Tür ins Schloss fallen und begab mich zur nächstgelegenen Bushaltestelle.
Als ich den Bus endlich erreichte, war ich wieder beruhigt, was sollte jetzt noch schief gehen?
„Einmal zur Porta Nigra bitte.“, sagte ich beim Betreten des Gefährts,
„Sechs fuffzig.“, antwortete der Mann, der hinter dem Lenkrad des Fahrzeuges zu wohnen schien.
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„Klimper, Klimper, Raschel“, wendete mein Geldbeutel daraufhin hochnäsig ein.
Als ich den Bus an der Porta Nigra wie vorher angekündigt wieder
und sprintete zu meinem Diesel betriebenen Kraftfahrzeug. Mir war der Umstand um die Fahrverbote durchaus bewusst, aber Hey, das System tauscht mir mein Auto ja nicht einfach durch ein neues Fahrzeug aus.Mit einem galant ausgeführten Schulterblick, demonstrierte ich mein immenses Sicherheitsbewusstsein und parkte aus, wie es kein zweiter konnte.
Ich machte einen U-Turn um meine gleichzeitige respektable Menge an coolness zu demonstrieren und nahm einen beliebigen Anhalter mit, zur Demonstration meiner galaktischen Menge an Vertrauen in die Menschheit. Nach einer anstrengenden Fahrt erreichte ich nun mein Ziel und als ich das Automobil wieder verließ wurde ich von der Schönheit dieses exotischen Ortes übermannt. Langsam zog ich durch die idyllische Landschaft, und hörte wie die Vögel ihre Lieder sangen und die Waschbären ihre Nahrung wuschen.Als ich auf einmal das Brüllen einer 1500kg schweren Bärin vernahm.Befand ich mich etwa in der Nähe ihres Bärenkalbes?
Tatsächlich, da lag ein Steiffteddybär, das bedeutete, dass das Bärenlamm bereits verpuppt war, und entsprechend war die plötzliche Aggression des Bären auch vollkommen nachvollziehbar..Aber auch wenn ICH dieses Verhalten durchaus verstand, bedeutete das nicht, dass die Bärenlady Rücksicht auf MICH nahm.-Sie wechselte gekonnt in die Kampfhaltung des Bären. Diese beherrschte sie von Geburt an, ohne jemals etwas von asiatischen Kampfkünsten gehört haben zu müssen.
-Pranke-Der heftige Hieb traf mich vollkommen unerwartet an der Hüfte. Obwohl mir ihre anatomischen Vorteile durchaus bekannt waren, hatte ich mit einem Angriff frühestens 0,5 Sekunden später gerechnet. Ich konnte mich jedoch langsam wieder aufrappelt, klopfte mir das Blut von der Hüfte und sprang direkt auf die Bärin zu.-Aus taktischen Gründen zertrümmerte ich zunächst ihre Vorderpfoten, das zerbärsten der darin befindlichen Knochen und Knorpel half mir ungemein meinen folgenden Schlag bereits zum finalen zu machen. Mit der Handkante spaltete ich die Schädeldecke des durch mich, vom aussterben bedrohten Tieres. Leblos brach Mamabär zusammen. Ihr Küken lag noch immer ganz steif neben der Kampfszenerie.
Ich nahm es mit um es eine Tages jemanden zu schenken. Oder als Hauptpreis in einer eigenen Schießbude auszustellen.Dann schlug ich die Bärenlady mit einem gekonnten Uppercut aus ihrem Fell.
Aus diesem wiederum nähte ich mir ein Hemd aus reinster Haspelseide. Als ich gerade weiter ziehen wollte schoss mir ein altes indianisches Sprichwort durch den Kopf:
-Tötet man einen Bären
so muss man sein Herz verzehren
denn sonst sterben deine Eltern
– Obgleich ich nicht wusste, ob ich mir das gerade ausgedacht hatte, oder es eine tatsächliche Erinnerung war, entschied ich mich auf Nummer sicher zu gehen, die bekanntlich immer der Nummer drei folgte.Immerhin waren mir meine Eltern über die letzten Jahre schwer ans Herz gewachsen und für mich zu so etwas wie meine Eltern geworden.-Ich riss dem gehäuteten Raubtier das Herz aus der Brust und verzehrte es mit etwas Salz und ein wenig Dill..Ich merkte wie die Liebe die die Bärin zu ihren Lebzeiten für ihr Kind verspührt hatte, sich wie ein Telefon in mein eigenes Herz klingelte. Ich war nun mit Muttergefühlen infiziert, aufdass ich den verpuppten kleinen Bären aufzog als sei es mein eigenes Bärenwelpen.
Als der junge Bärenbock nun alt genug war um auf eigene Tatze durch die Wildnis zu jagen, verabschiedete ich mich von ihm und verriet wie seine Mutter damals wirklich gestorben war.
-Er war zwar etwas grummelig darüber, aber da der Winter bereits eingebrochen war, hatte er keine Lust sich heute damit auseinander zu setzen..Er schlief wieder ein, und ich verließ ihn. Meinen kleinen braven Bärenrüden… Ich hatte ihn „Rapsöl und Bremsflüssigkeit“ genannt, nach meinem Großvater..Als ich endlich meine Reise hierher fortsetzen konnte , bemerkte ich, dass die Wunde die mir die Bärin zugefügt hatte noch nicht ganz verheilt war. Schließlich erreichte ich meine Destination und näherte mich dem Eingang dieser Lokalität. Mit Tränen in den Augen sackte ich letztlich im Eingangsbereich zusammen, denn meine Wunden waren aufgrund der langen Reise wieder auf gegangen und hatten sich entzündet. Langsam griffen die Flammen auf den ganzen Körper über und ich verbrannte bis auf die Knochen.
Dieser Text handelt von einem Mann der um jeden Preis zur See wollte, seine ihn liebende Ehefrau ermutigte ihn dazu und so sucht er seinen Weg.
Mann: „Nu Weib ich möchte um jeden Preis zur See nicht? Aber wie soll ich das nur anstellen? Ich habe ja bisher nur als Wirt gearbeitet.“
Frau: „Ja, schau doch mal am Hafen vorbei, da sind bestimmt so Kapitäne und so weiter, dann fragst du da einfach mal nach.“
Mann: „Einfach nachfragen? Und was ist wenn die keine Leute suchen?“
Frau: „Nichts“
Und so zog er los, Henry Heribert von Haudrauf.
Und am Hafen angekommen sah er bereits vom weitem die verfallenen, alten Hafengebäude, die durch geschickte Umzäunungen, verbarrikadierte Fenster und eingesackte Dächer jedes Abenteuer suchende Kind, sowie auch jeden Abenteurer der seine Kinder suchte, davon abhielt hier nach der Deckung des jeweiligen Bedürfnisses zu suchen.
Die Gebäude sahen wahrlich extrem gefährlich aus und die Schilder, die aushingen um das selbe mit eben jenen Worten anzukündigen schliffen das Gesamtbild ab.
Da jedoch kaum ein Mensch dazu im Stande war mehr als die üblichen drei, vier Worte zu lesen, die man im Alltag benötigte, waren diese Warnungen für viele Betrachter nichts weiter als gar nichts.
Henry Heribert schauderte es als er an den verfallenen Lagerhallen vorbei schritt in Richtung Kai.
So verbrachte er ein Jahr und sieben Monate am Kai und fragte Kapitän für Kapitän, nach einer möglichen freien Stelle auf deren Schiffen. Aber niemand wollte ihn einstellen. Deswegen und weil er mittlerweile schon Hunger hatte, (er trieb sich schließlich schon ein Jahr und sieben Monate da herum) kehrte er müde wieder Heim.
Frau:“Oh Schatz, du bist zurück!“ Sie sprang ihm in die Arme und quetschte mit aller Kraft alles aus ihm hereaus was es da zu quetschen gab.
In einer spannenden Erzählung, erklärte er ihr, dass er die ganze Zeit nur nach einer Anstellung gesucht habe, und dass niemand ungelernte Seemänner benötigt.
Frau: „Und warst du auch an den alten Lagerhallen? Da treiben sich doch auch noch Kapitäne herum, oder nicht?“
Das stimmte natürlich, es handelte sich zwar um den schaumigsten aller Abschäume der Meere, der durch die zunehmende Verschmutzung entstand. Nicht selten sah man Delfine am Strand liegen, mit irgendwelchen Hölzern um ihren Hals, oder tausende tote gesalzene Fische in Fässern.
Dennoch ein Versuch schien es ihm Wert zu sein.
Und so zog er los, Henry Heribert von Haudrauf.
Und am Hafen angekommen betrat er nun die alten Lagerhallen und entdeckte eine ganz neue Welt.
Er nannte sie Lagerhallistan.
An einem sehr dreckigen und gefährlich aussehenden Tresen saßen drei sehr sehr gefährlich und dreckig aussehende Seebären.
Ihre sehr sehr sehr tiefen Stimmen gaben nur solche laute wie „Au au au au“ und so weiter von sich, nur unterbrochen vom gelegentlichen trinken des Krogs, oder wahlweise des Rums.
Henry Heribert unterbrach das Gespräch der schweren Robbentiere und fragte ob irgendwo Männer gesucht würde. Ihm wurde ein Tisch gedeutet.
Und so zog er los Henry Heribert von Haudrauf,
diesen Tisch aufzusuchen. Und auf seinem Weg dorthin geschah gar nichts, denn es waren nur etwa drei Meter und der Laden nicht allzu gut besucht.
Mann: „Moin, ich suche nach einem Kapitän Holzbein Hakenhand Mac Papagei auf der Schulter-Augenklappe, mir wurde irgendwie mitgeteilt ich fände ihn hier.“
Der ergraute Seeman bat ihn sich zu setzen und sie handelten einen Hieb- und Stichfesten Arbeitsvertrag aus.
– Was durchaus üblich war bei Piraten, denn so blieben lediglich Kanonen über um eine Meuterei anzuzetteln. Dies würde aber auch das Schiff in Mitleidenschaft ziehen, und das wäre für eine waschechte Meuterei nicht wirklich von Vorteil. Eine echte Meuterei ist immer mit Schiff, eine Allgemeine Meuterei funktioniert auch ohne. –
Und so zog er los Henry Heribert von Haudrauf,
und er erlebte viele Abenteuer auf den Ozeanen, die Mangels kompetenter Fachsprache des Erzählers nicht wiedergegeben werden können.
Wer weiß schon was Heck, Bug, Kajüte, Kombüse, Backboard, Steuerboard und so weiter alles bedeutet.
X = ...
Y = ...