Na hallo zurück in der realen Welt, oder was? Da konnte ich doch nochmal ein bisschen Texte verfeuern! War wieder ein toller Slam, um die 60 (glaub ich) Zuschauer*innen waren da um uns 5 Teilnehmenden zu sagen: Hallo, ihr seid auf einer Bühne, das finden wir so in Ordnung.
Da wir so wenige waren, kam diese „alle lesen zwei Texte und zwei gehen ins Finale“- Sache zum Einsatz. Gewonnen hat die einzige auftretende Frau des Abends (was ist denn da los Thema Frauenquote etc.? Typisch Männer, oder?) Man muss aber dazu sagen, dass eine weitere Künstlerin abgesprungen ist und, dass in meinem Text eine Protagonistin war, die ca. 3 Minuten lang rumgeflucht hat. Das dürfte das alles irgendwie ausgeglichen haben.
Noch dabei war großartige Lardon Fumé, der mich mit seinen bös-lustigen Gedichten an Skog Ogvann erinnert hat. Ihr wisst schon, das ist der der euch an die Lyrikfolge vom Tatortreiniger erinnert hat. Ihr wisst schon die Folge die euch an die Lyrik von Loriot erinnert hat. Ihr wisst schon…
Ich selbst habe zwei Texte gelesen, einen neuen und einen älteren, der ein bisschen angepasst wurde. Der neue ist ein Text über Ängste, geschrieben in Absprache mit der großartigen Ella Flick, die genau wie ich, das schreiben ein wenig streifen gelassen hat und wir dann bei Twitter ausgemacht haben zum Thema 3 Minuten berühmt je einen Text zum 22.05.2022 zu schreiben. Tja, hab ich gemacht. Der Ältere ist einer der schon beim ersten mal nicht so gut angekommen ist, der (original) Text trug den Titel „die hiesige Fauna“, die überarbeitete Fassung heißt aber Lisa. Aus Gründen. Ein Text in dem ein Kind über Tiere redet. Ich finde den immernoch super, das Publikum findet den immernoch so mittel.
Bei der Abstimmung zum Finale wurde auf Einzelabstimmung gesetzt. Das bedeutet die Publikuiden durften lediglich für eine Künstler*in abstimmen. Hatte da dann etwa 6 Applausent*innen. Bei 60 Gästen ist das für meine Verhältnisse gar nicht so übel. Also rein mathematisch kann man also sagen, dass ca. 8 Million Deutsche mich gewählt hätten. Das klingt doch ganz nett, danke dafür Deutschland!
Ihre Hände zitternden als sie sich im Zwielicht versteckte. Kein Augenkontakt suchen. Nur Blicke nach unten. Das Abtasten der Hosentasche. Wieso waren die denn überhaupt so klein. Egal welche Hose sie bisher gekauft hatte, sie hatten alle diese winzige Hosentaschen. Klar, die Hosen selbst waren ja auch kleiner, aber trotzdem war es lächerlich, dass man das überhaupt Taschen nennen durfte. Nichtmal die Hände würden sie wärmen. Man konnte auch keine Geldbörsen reintun. Männer hatten es da wesentlich einfacher, viel größere Hosentaschen. Und gleichzeitig viel kleinere Portmonees. Und das OBWOHL sie meist besser bezahlt werden. Was ist das eigentlich schon wieder für eine unfaire Welt?
Männer, oder?
Dachte sie sich. Und sie fragte sich gleich im Anschluss, warum sie sich selbst dieses „oder“ gefragt hatte. Das hatte keinen Mehrwert. Generell sich selber Dinge zu Fragen.
Schluss jetzt! Kon-zen-tra-tion.
Sie blickte wieder zu ihren winzigen Hosentaschen und kramte vorsichtig mit ihren Fingerspitzen darin herum. Da war es.
Das erhoffte beruhigende Gefühl heute nicht allein zu sein.
Sieben mal gefaltet.
Man muss keine Origamikünstlerin sein das hin zubekommen. Nur stur weiterfalten, das ist die ganze Hexerei. Im Grunde kann jedes Standard-Papier so gefaltet werden. 7 Mal.
Magisch irgendwie.
Der bis zu Winzigkeit gefaltete Zettel wohnte nun also in ihrer winzigen Tasche in die selbst der winzigste Geldbeutel überhaupt nicht reinpassen wollte.
Poetisch.
Also irgendwie.
Keine Ahnung ich bin kein Dichter.
Im Gegensatz zu dem Mann der ebenso an ihr vorbei huschte und dessen Angstschweiß sie riechen konnte… und auch schmecken.
Sie war ja selbst auch nervös, aber eklich fand sies trotzdem ein bisschen. In der Ferne hörte sie das Applaudieren bereits abklingen und eine Stimme das Wort übernehmen:
„und unsere nächste Künstlerin steht heute zum aller ersten Mal auf der Bühne, einen zehn Punkteapplaus für…“
Jetzt konnte sie auch ihren eigenen Angstschweiß riechen wie schmecken, hastig huschte sie an einem sich im Zwielicht versteckenden Jungen vorbei, dessen Blick stur auf die eigenen Hosentaschen gerichtet waren.
Ihre Hand glitt wieder herunter um pinzetuell den winzigen Zettel aus der Tasche zu befreien, diesen viel geübten kleinen Text, den sie gleich vortragen würde, zum aller ersten mal. Gekonnt faltete sie ihn schon im Gehen mit einer Hand auseinander.
Die letzte Stufe der Bühne übersah sie.
Das Blatt verließ ihren sicheren entfaltenden Griff, der soeben zu einem Sturz bremsenden degradiert worden war.
Als sie schließlich schamesrot fluchend an das Mikrofon hetzte.
Keine Zeit das verlorene Papier zu suchen, jetzt schnell handeln um ebenso schnell wieder von der Bühne zu können.
Sie hatte den Text ja oft genug geübt…
Ihre Hände zitternden als sie vom Scheinwerferlicht geblendet wurde:
„VERICKTE SCHEIßE FUCK EY Ich… ich hatte einen Text dabei, eine verfickte Kurzgeschichte um genau zu sein. Fuck. Klar aber hab sie auf dem Weg hier hoch einfach verloren, so ein scheiß. Fuck einfach. Immer passieren mir solche befickten Kackdinger. Eben auch im Backstage, da ist der Typ an mir vorbei, der hat so tierisch geschwitzt! So ein verfickter Scheiß.
Ich mein ich schwitze auch, aber ich bin ja auch verfickt nochmal nervös! Ich weiß… ich weiß dass das gar nicht das schlimmste ist. Das eigentlich schlimmste ist, dass meine verfickten Probleme nur winzig sind und es tausend Million Dinge gibt über die es sich viel mehr zu ärgern lohnt. Habt ihr mitbekommen was für eine verfickte Scheiße in der Welt da draußen passiert? Ich kann an einer Hand abzählen wie viele verfickte Minuten seit meiner Geburt ohne Desaster ausgekommen sind. Es ist immer irgendetwas los und MICH fickt schon der Gedanke einen verkackten Zettel auf dem Weg hierher zu verlieren. Auf eine Bühne! Scheiße. Hab ich überhaupt ein Recht dazu mich zu beschweren? Ich bin eine weiße Frau mittleren Alters. Mein Autor und Sprecher sogar ein weißer Mann. Wo habe also ich persönlich, wirklich verschissene Probleme? Guck dir an was in der Welt abgeht, DARF ICH MICH überhaupt beschweren?
Ich denke ja. Denn Scheiße passiert uns allen. Ängste haben wir alle.
Verfickt nochmal, das eigentliche moralische Problem ist doch nicht, dass ich offen sage, dass ich Ängste habe, dass es mir schlecht geht oder dass ich traurig bin. Sondern wenn ich meine Probleme über die euren Stelle. Und das machen wir verfickt nochmal alle, den ganzen beschissenen Tag. Unsozial aber Psychologisch gesehen vielleicht sogar gesundes Verhalten. Und wie Ambivalent auch meine Probleme auch sind: Ich habe Angst vorm Allein sein und vor Menschenansammlungen. Ich habe Angst vor Hunden und liebe den meinen. Ich habe Angst vor Veränderung und so viel Angst vor Stillstand. Ich hab eine verschissene Angst Menschen zu schaden und noch mehr davor, dass ich ihnen nichts bedeute. Scheiße, ich habe Angst vor dem verfickten Virus und wie ich hörte ist da jetzt ein zweiter, und dem verschissenen Krieg und ich bin von beiden nicht mal persönlich betroffen!
Ich glaube, und ich denke damit liege ich ganz sicher richtig, weil naja, so funktioniert das Konzept glauben nunmal, ich glaube wir dürfen Ängste haben und wir müssen drüber sprechen. Wir dürfen einen schlechten Tag haben, oder auch hunderte, aber wir dürfen uns nicht verschließen. Wir sind alle genau gleich viel Wert unsere Probleme wiegen gleich viel. Aber das dürfen wir nicht als Ausrede nutzen um uns abzukapseln, sondern sollten es als Ansporn sehen denjenigen dort zu helfen wo wir dazu in der Lage sind.
Lieb sein.
Leute nicht zu verurteilen für das was sie sind, außer natürlich es sind verschissen und verfickte Nazis, und nochmal: lieb sein!
Ich habe meinen Text gar nicht verloren.
Ich wollte genau das gesagt haben. Ich habe meine Ängste in diesen Charakter Geschichtet vergraben… denn wusstet ihr, dass man jedes Papier exakt 7 mal Falten kann?“
Es folgt eine gleichermaßen analytische wie auch kritische Auseinandersetzung mit der hiesigen Fauna. Dabei werden sowohl die positiven als auch die negativen Merkmale der für unser Ökosystem relevantesten Tiere gelistet und verglichen. Ist werden die Verhaltensweisen analysiert um ein Verständnis für die uns umgebenden Lebewesen entwickeln. Die Aufzeichnungen stammen von jemanden der den Tieren besonders nahe ist, einem 4 jährigen Kind.
Woha, voll süß die Entchen da, hast du die gesehen Lisa, die Enten? Mega süß. Ich hab einmal gesehen, Lisa, hab ich einmal gesehen, da waren fümf Entchen! Weil jetzt sinds ja nur zwei Lisa. Guck, guck, guck nur zwei Entchen Lisa, da. Hörst du zu?
-‚Ich äh‘
Mama sagt, der Fuchs hat die anderen geholt, aber was soll denn das? Lisa, warum sollte der Fuchs das machen und wohin hat er die geholt überhaupt?
Der ist doch selbst voll süß. Hab mal im Fernseher einen voll süßen Fuchs gesehen Lisa. Nein, in Youtube war das.
War auch, glaube ich ein Babyfuchs, voll süß eigemtlich. Und auch irgendwie noch viel cooler als Enten, Lisa. Lisa?
Hab eben mein Knie gestoßen, genau wie Papa letztens Lisa, der war grad von der Arbeit, hat dann aber das Knie gestoßen. *Pau hat das gemacht, und er hat dann Aua gerufen.
*Pff hihi, der Papa immer Nä?
Das war ja weil ja der Schrank mit den Schuhen, der geht ihm bis zu den Knien Lisa. Papa ist voll groß.
Bei Youtube Lisa, also bei Youtube gibt’s ja auch weiße Füchschen, hab ich gesehen. Die sind dann aber gar nicht rot wie die roten Füchse, Lisa.
Auch niedlich, aber Lisa, weißt du was? Die haben dann ganz kurze Ohren und sind voll dick. Lisa? Haben alle dicken kurze Ohren?
-‘Also, äh‘
Es gibt ja auch Eichhörnchen, hab mal eins gesehen, im Garten. Also Lisa, bei Linus im Garten meine ich.
* Pff hehe *
Also Wir haben ja doch gar keinen Garten Lisa.
Da war ein Eichhörnchens in Linus seinem Garten, hab die Mama gefragt. Fast so niedlich wie die Entchen Lisa, aber halt rot.
Lisa? Gibt Eichhörnchen auch in weiß und dick?
-‚Also soweit ich we‘
Ich hoffe ja nicht, weil die sähen komisch aus mit kurzen Ohren oder? Hast du mal ein Eichhörnchen gesehen? Die haben so… mmm soo … mmm mmm so ja, Striche da an den Ohren Lisa.
Das ist voll süß Lisa, aber in kurz wäre das komisch.
Im Urlaub waren wir mal an einer Seehundbank, aber da konnte ich nix sehn, war ja noch zu klein. Da war das Boot, Lisa? Hörst du zu? Ich war auf einem Boot im echten Meer, einmal!
Aber gibt auch noch andere Tiere die süß sind Katzen, Kannimchen Hundewelpen, Katzenbeby, ein Vogel.
Aber Lisa? Enten sind ja eigemtlich ja auch Vögel, aber auch ein bisschen Fische und Babyenten sind dann noch mehr Fisch als wie Vögel, weil die gar nicht fliegen können.
Weil die nämlich noch nicht aus dem Nest geworfen worden sind!
Lisa, da war mal ein Babyvogel bei uns auf dem Balkon, aber der war dann leider kaputt, der war zu früh geschubst worden Lisa.
Mamis und Pappis von kleinen Vögelchen werfen die Babys einfach aus dem Nest *Schwub* Einfach so. Lisa?
Aber das Baby sah nich so niedlich aus,da fand ich aber Babykätzchen schöner.
Oder Hundewelpen
oder Kannimchen
oder Katzen
oder Seehunde
oder Eichhörmchens
oder Füchse
oder eben Enten.
Weißt du was es noch gibt Lisa?
-‚Naja also das kommt drauf a‘
Also wirklich Lisa, oh man! Nicht mal das weißt du? Es gibt zum Beispiel noch Rehe Lisa! Die wohnen im Wald und essen Bäume glaub ich. Lisa, die mögen aber keine Menschen Lisa, weil die Menschen nicht so gut finden.
Lisa?
Gibt es eigentlich Babyrehe? Rehe sind ja voll süß, aber Babyrehe? Glaub die sind auch voll süß. Lisa, schubsen die dann die Babyrehe auch aus dem Nest? Warum machen die das eigemtlich? Lisa? Gibt es eigentlich auch andere Tiere?
-‘Naja, im Grunde..‘
Lisaaa, sag mal ist es möglich, dass du unsere Konversation über den Tierbestand unserer Suburbanen umgebung überhaupt nicht so richtig ernst nimmst?
-‚So würde ich das jetzt ni, moment mal wie redest du denn auf einmal?‘
Ähhhh…Also Lisa, hast du mal im Imternet andere Tiere gesehen? Die auch niedlich sind? Bei uns gibt’s ja gar nicht so viele Tiere, die wohnen ja sowieso im Wald, oder im Urwald Lisa. Warst du schonmal im Urwald? Oder im Imternet? Da gibt es so einen Knopf da kann man sich Sachen über Tiere angucken.
Warum laufen die Entchen eigentlich immer hinter der Mamaente?
Lisa, Liisa? Können wir jetzt vielleicht eim Eis essen gehen?
X = ...
Y = ...